4. März 2026

Forderungen der Kinder- und Jugendhilfe an die Frankfurter Stadtregierung

Anlässlich der bevorstehenden Kommunalwahl haben die freien Träger der Frankfurter Kinder- und Jugendhilfe bei einer Pressekonferenz ihre Forderungen zur Kommunalwahl vorgestellt – darunter auch wir vom Evangelischen Verein für Jugendsozialarbeit. 

Rund 100 Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA), Jugendverbände und Jugendhilfe an Schulen leisten täglich unverzichtbare Arbeit – oft unter strukturellem Druck. Gemeinsam mit Vertreter:innen aus Jugendverbänden, OKJA und Jugendhilfe haben wir deutlich gemacht: Kinder- und Jugendarbeit ist keine freiwillige Leistung. Sie ist demokratische Infrastruktur und Zukunftssicherung.

Das Wohlergehen der Frankfurter Kinder und Jugendliche muss im Zentrum einer zukünftigen Stadtregierung stehen. Deshalb fordern wir:

1. Dauerhafte, auskömmliche und dynamisierte Finanzierung
Die Kinder- und Jugendarbeit in Frankfurt braucht eine dauerhaft auskömmliche und dynamisierte Finanzierung. Tarifsteigerungen, Inflation und wachsende Bedarfe dürfen nicht länger zu strukturellen Defiziten führen. Ob im ehrenamtlich organisierten Jugendverband, im Kinder- oder Jugendhaus oder in der Schule: Es braucht gute Rahmenbedingungen für Fachkräfte. Seit Jahren arbeiten Einrichtungen am Limit. Pädagogische Fachkräfte stemmen steigende Anforderungen, während finanzielle und personelle Rahmenbedingungen nicht den komplexer werdenden Aufgabenfeldern angepasst werden. Es braucht eine aktive, an die aktuellen Herausforderungen und immensen Bedarfe angepasste, Kinderund Jugendhilfeplanung mit nachvollziehbaren Kriterien.

2. Investitionen in junge Menschen sind keine freiwillige Leistung – sondern Zukunftssicherung
Junge Menschen sind durch die Langzeitfolgen der Corona-Pandemie, wachsende Kinder- und Jugendarmut sowie globale Krisen wie Klimawandel und Kriege massiv belastet. Gleichzeitig steigen komplexe Beratungs- Begleitungs- und Therapiebedarfe deutlich an, während Wartezeiten auf psychologische Unterstützung monatelang dauern. Die Folge: Das BeratungsauNommen in der Jugendhilfe an Schulen und in Einrichtungen nimmt stark zu – ohne dass die personellen Ressourcen entsprechend wachsen. Eine gut aufgestellte Jugendarbeit ist die beste Prävention. Investitionen in junge Menschen sind deshalb keine freiwillige Leistung, sondern eine notwendige Zukunftssicherung. Wer hier spart, verschiebt soziale Kosten in die Zukunft.

3. Teilhabe darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen
Kinder- und Jugendarbeit muss für alle jungen Menschen zugänglich bleiben. Fehlende Sachmittel führen bereits jetzt dazu, dass besondere Ferien- und Kulturangebote, und somit schlussendlich auch erlebnispädagogische Angebote, wie Kanufahrten, Kletterprojekte oder Besuche von Museen nicht mehr stattfinden können. Durch die wenigen Angebote wird der Erlebnisraum von jungen Menschen eingeschränkt – und damit auch ihr Recht auf Teilhabe und Bildung. Niedrigschwellige Angebote müssen im Kern kostenfrei bleiben und öffentlich getragen werden, damit sie für alle zugänglich sind.

4. Demokratiebildung, Beteiligung und Geschlechtergerechtigkeit
Offene Kinder- und Jugendarbeit, Jugendverbände, Mädchenarbeit und Jugendhilfe an der Schule schaffen geschützte Räume für Selbstbestimmung, Empowerment und demokratische Aushandlungsprozesse. Demokratie entsteht im Alltag, in Beteiligungsverfahren, bei Verantwortungsübernahme und in Selbstorganisation. Diese Prozesse sind oft zeit- und personalintensiv, wenn sie eine positive Erfahrung für junge Menschen sein soll. Gerade safer spaces für geschlechtsspezifische Arbeit sind enorm wichtig. Gerade Mädchen stehen unter erheblichem Druck durch Leistungsanforderungen, Schönheitsnormen, soziale Medien und strukturelle Benachteiligungen. Geschlechtergerechte Jugendarbeit ist deshalb kein Zusatzangebot, sondern ein Qualitätsmerkmal professioneller Arbeit. Wer Resilienz stärken will, muss diese Infrastruktur sichern.

5. Trägervielfalt in Frankfurt als Stärke
Viele Einrichtungen sind tief im Quartier verwurzelt, oft von Bewohner:innen mitgegründet und eng mit Schulen, Kitas und mit dem Sozialraum verwoben. Sie vertreten verschiedene Schwerpunkte und Werte, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Gerade für kleine Einrichtungen oder kleine selbst organisierte Vereine ist es schwer, nennenswerte Eigenmittel zu generieren. Gleichzeitig tragen sie die volle Verantwortung für Verwaltung, Personal und Infrastruktur. Der anhaltende Finanzierungsdruck führt dazu, dass Stellen abgebaut, Öffnungszeiten reduziert und Angebote eingeschränkt werden. Bei einzelnen Einrichtungen und Angeboten steht die Existenz auf dem Spiel. Die Folge davon wäre eine Reduzierung der Angebotsvielfalt.